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Die Zille
als Rettungsboot

Zille

Foto: Christoph Schlüßlmayr
Die Zille findet im Feuerwehrdienst nach wie vor ihre Verwendung, vor allem bei Überschwemmungen kommt das Flachwasserboot in den Einsatz und erfreut sich auch im Bewerbsgeschehen wieder wachsender Beliebtheit.
Mag. Max Aufischer

Zillen, die österreichische Feuerwehren im Wasserdienst heute einsetzen, werden einheitlich nach den Baurichtlinien des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes konstruiert. Sie sind sieben Meter lang, in der Mitte unten 0,90 und oben 1,25 Meter breit, wodurch sich leicht schräge Bordwände ergeben. Vorne, am Bug, am „Granzl“, läuft die Form der Zille spitz zu, was im hinteren, dem sogenannten Steuer- oder Sturbereich weniger weniger stark der Fall ist. Dadurch vereinigt sie hohe Tragfähigkeit und Stabilität mit sehr guten Strömungseigenschaften. Durch die Verwendung von dicken Holzbrettern oder entsprechenden Platten ist dieses typische Flachwasserboot sehr robust und kann deshalb auch in überschwemmten Gebieten eingesetzt werden, wo man aufgrund des trüben Wassers Hindernisse, die sich unter der Wasseroberfläche befinden und für die Bootshaut gefährlich sind, nicht ausmachen kann. Außerdem kann die Zille nicht nur als einzelnes Boot zum Einsatz kommen, sondern auch im Verbund als Fähre, Arbeitsplattform oder als basisbildende Schwimmkörper für Behelfsbrücken. Neben den händisch betriebenen Zillen gibt es auch die Motorzillen, die anstelle der Stur am Heck des Bootes einen Spiegel angebracht haben, wo ein Außenmotor befestigt ist oder montiert werden kann. Firmen bieten mittlerweile auch Zillen aus Aluminium an, die sich bislang allerdings nicht

großflächig durchsetzen konnten. Diese sind zwar im Gewicht leichter und deshalb beim Transport einfacher zu handhaben, die Fahreigenschaften unterscheiden sich jedoch – ihnen fehlt logischerweise das gewichtsbedingte Trägheitsmoment. Dadurch sind sie bei der Bergfahrt auf Flüssen weniger richtungsstabil und können ob ihrer Leichtigkeit schneller zum Spielball der Wellen werden.

Die Zille – eine Bootsfamilie

Das Wort Zille stammt wahrscheinlich aus dem Slawischen und wird im gesamten bayrisch-österreichischen Alpenraum, auf der Donau, aber auch auf der Elbe und in der Mark Brandenburg verstanden. Im westeuropäischen Raum hingegen kommt dieser Bootstyp gar nicht vor. Zillen und Plätten haben eigentlich die gleiche Bauweise. Sie sind Flachwasserboote für Binnengewässer und sind, beziehungsweise waren, im gesamten Donauraum in Verwendung. Die Unterscheidung zwischen Zille und Plätte ist nicht immer eindeutig. Unter Zille versteht man nicht nur kleine Boote mit einer Länge von sechs bis acht Meter, sondern auch große Holzschiffe bis zu einer Größe von 42 Meter. Im Gegensatz zur Plätte musste sie gut gebaut und für einen längeren Gebrauch gedacht sein. Die Plätte war ein einfaches, flaches Schiff und meist leicht gebaut, das nur für eine Naufahrt (Fahrt in Flussrichtung) verwendet. Danach
wurde ihr Holz als Brennmaterial verkauft. Anders als bei den Zillen lief das Heck nicht so stark zusammen, sondern behielt die Breite der Schiffsmitte annähernd bei.

Zille 2

Die Abbildung des „Illustrierten Grazer Extrablattes“, vom 18. Mai 1889, belegt eindeutig, dass es sich beim Rettungsboot des Stromaufsehers Zechner um eine Zille handelte

Zille als Rettungsboot
Die erste bildlich und schriftlich dokumentierte Rettungsaktion in der Steiermark, bei der eine Zille zum Einsatz kam und die in den Massenmedien Eingang fand, erfolgte am 12. Mai 1889 anlässlich eines Dampfschiffunglücks auf der Mur in Graz. Die Grazer Zeitung vom 13. Mai berichtete, dass sich „ ...eine entsetzliche Schiffs-Katastrophe gestern nachmittags bei der Radetzkybrücke ereignete und eine furchtbare Aufregung hervorgerufen hatte...“. Auch die Tagespost vom selben Tag widmet dieser Tragödie einen langen Artikel und schildert viele Details des tragischen Geschehens, das zum Ende der damals erst jungen Dampfschifffahrt auf der Mur führen sollte. Um 16.00 Uhr versagten dem Dampfschiff „Styria“ aus unbekannter Ursache die Dampfmaschinen. Daraufhin trieb sie vom Schwimmschulkai steuerlos stromabwärts und zerschellte letztendlich am linksseitigen Brückenpfeiler der Radetzkybrücke. Auf dem Schiff befanden sich sechzehn Passagiere und vier Mann Besatzung. Ein Kind und fünf Erwachsene sind dieser Tragödie zum Opfer gefallen. Ein weiteres Kind und acht Männer wurden über eine Leiter, die von der Brücke aus hinunter gereicht wurde, in Sicherheit gebracht. (Wahrscheinlich wurden in der Aufzählung der Fahrgäste die Kinder damals nicht mitgezählt). Weitere sieben Menschen wurden von Stromaufseher Zechner gerettet. Dieser hatte bei der Durchfahrt des Dampfers unter der Kettenbrücke bereits bemerkt, dass etwas nicht richtig sei. Er machte seine Zille los und folgte dem Dampfer in einer Entfernung von etwa 15 bis 20 Metern und rief dem Capitän wiederholt zu, den Anker zu werfen, was nicht befolgt wurde. Als die Katastrophe eintrat, war er sofort zur Hilfe am Platze und konnte sieben Personen retten.

Zille 1

Landeswasserwehr-Leistungsbewerb in Fürstenfeld. Foto: Fink/LFV Stmk.
Drei nahm er noch unter dem Brückenjoch auf seine Zille und fuhr den stromabwärts schwimmenden Verunglückten nach und rettete die Übrigen. In den vielen Berichten, die in verschiedenen Periodika und Tageszeitungen erschienen, wurde neben der Bezeichnung Kahn, der im oben angeführten Zitat steht, auch der Begriff Zille verwendet.

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